{"id":7155,"date":"2022-06-15T12:09:53","date_gmt":"2022-06-15T12:09:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mountainow.net\/?p=7155"},"modified":"2022-05-09T12:10:54","modified_gmt":"2022-05-09T12:10:54","slug":"zeitlose-grande-lui-dem-charme-der-cabane-de-la-neuve-erlegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mountainow.net\/de\/2022\/06\/zeitlose-grande-lui-dem-charme-der-cabane-de-la-neuve-erlegen\/","title":{"rendered":"Zeitlose Grande Lui &#8211; Dem Charme der Cabane de l\u2019A Neuve erlegen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Aufstieg zur Grande Lui l\u00e4sst \u00adeinen fast die Zeit vergessen \u2013 wenn man \u00adeinen Zwischenstopp in der Cabane de l\u2019A Neuve einlegt. <span class=\"user_fjx145_single_autor\"><em>Von <span lang=\"de\"><a href=\"http:\/\/www.frperraudin.ch\/fr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fran\u00e7ois Perraudin<\/a>, Bergf\u00fchrer<\/span><\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>An manche Gipfel erinnern wir uns wegen des besonderen Ausblicks oder weil sie schwierig zu besteigen waren.<\/strong> Der Aufstieg zum Grande Lui l\u00e4sst mich dagegen vor allem an die Cabane de l\u2019A Neuve mit ihren aus Granit gehauenen Mauer\u00adsteinen denken. Viele Episoden aus der Geschichte des Alpinismus sind mit diesem Ort verbunden. Statt sie aufzuz\u00e4hlen, m\u00f6chte ich jedoch an die Namen der H\u00fcttenwarte erinnern, die daf\u00fcr gesorgt haben, dass die H\u00fctte bis heute ein Ort urt\u00fcmlicher Lebendigkeit geblieben ist.<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Zu Beginn meiner Bergf\u00fchrerkarriere verfolgte uns Robert Formaz mit seinem Fernglas von der H\u00fctte aus.<\/strong> Bei jeder R\u00fcckkehr ermahnte er uns, wenn wir von der Route abgekommen waren. Waren die Bedingungen heikel, stellte er sich mit seiner roten M\u00fctze vor uns auf und sagte: \u00abBloss nicht aufsteigen! Viiiel zu gef\u00e4hrlich!\u00bb \u00dcberzeugt, dass kein vern\u00fcnftiger Mensch seine Einsch\u00e4tzung anzweifeln \u00adkonnte, nahm er es jeweils mit einem Schulterzucken zur Kenntnis, wenn uneinsichtige Bergsteiger trotzdem loszogen.<\/p>\n<h2 class=\"para para_Art_Zwischentitel\">Hartes Leben<\/h2>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1016 alignleft\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/GdeLui_1-1-198x300.png\" alt=\"Cabane de l'ANeuve copyrights Fran\u00e7ois Perraudin\" width=\"198\" height=\"300\" \/>So gew\u00f6hnlich die H\u00fctte, so ungew\u00f6hnlich war ihr H\u00fcttenwart.<\/strong> Voller Neugier freuten wir uns jedes Mal darauf, \u00adRobert Formaz zu treffen. Er trug seine Vorr\u00e4te in einem robusten Holz\u00adtrage\u00adgestell selbst hoch. Manchmal war auch ein F\u00e4sschen Rotwein von seinen eigenen Reben dabei. Er f\u00fchrte das harte Leben eines Bergmenschen, der den Wert seiner Arbeit kennt.<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>So blieb er nur deshalb ein Jahr l\u00e4nger auf der H\u00fctte,<\/strong> weil er sich mit der Sektion Diablerets nicht darauf einigen konnte, zu welchen Bedingungen sie den Getr\u00e4nkebestand \u00fcbernehmen sollte. Nach ihm folgte Tatjana Billinger, die jeden Morgen auf der Terrassenmauer die Sonne heraufbeschwor. Und jetzt steht die Cabane de l\u2019A Neuve seit 15 Jahren unter der \u00c4gide von Martine Gabioud, die der \u00adH\u00fctte treu geblieben ist, obwohl ihr Mann Guy-Michel 2009 gestorben ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 class=\"para para_Art_Zwischentitel\">Unter der lauten Holztreppe<\/h2>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>\u00abSie ist ein bisschen wie mein zweites Zuhause\u00bb, verr\u00e4t Martine Gabioud mit einem Strahlen in ihren Augen, \u00abman sp\u00fcrt, dass hier grosse Bergsteiger \u00fcbernachtet haben.<\/strong> Die H\u00fctte hat eine \u00adSeele, auch wenn immer mehr Bergg\u00e4nger lieber anderswo schlafen, weil sie mehr Komfort wollen.\u00bb Die unkomplizierten Bergsteiger w\u00fcrden seltener, die anspruchsvollen Wanderer zahlreicher. Die k\u00f6stlichen Kuchen der H\u00fctten\u00adwartin wissen allerdings alle zu sch\u00e4tzen. Gabioud selbst hat weder viel Platz noch Luxus in der H\u00fctte.<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Die Cabane de l\u2019A Neuve stammt aus jenen urchigen Zeiten, als die H\u00fcttenwartin tags\u00fcber ihren ganzen Lebensraum mit den G\u00e4sten teilte.<\/strong> Und fast auch nachts, denn ihr Schlafraum befindet sich unter der steilen und lauten Holztreppe. \u00abMan schl\u00e4ft recht unruhig, aber so schlimm ist das nicht. Ich h\u00f6re die Bergsteiger um drei Uhr morgens und freue mich, sie zu bedienen, weil ich die Atmosph\u00e4re liebe.\u00bb<\/p>\n<h2 class=\"para para_Art_Zwischentitel\">Ellbogen an Ellbogen Geschirr sp\u00fclen<\/h2>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1018 alignleft\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/GdeLui_2-1-208x300.png\" alt=\"copyrights Cabane de l'ANeuve\" width=\"267\" height=\"386\" \/>Robert Formaz ruht friedlich am Fusse seiner Berge, die \u00adimmer h\u00e4ufiger vom Knacken der Gletscher widerhallen.<\/strong> Martine Gabioud h\u00f6rt es von ihrer K\u00fcche mit dem massiven Holzofen aus. Gleich daneben befinden sich ein Zinkbecken und ein kleiner Arbeitsbereich, wo man Ellbogen an Ellbogen steht, um das Geschirr zu sp\u00fclen und die dicken, weissen Porzellanteller in die Schr\u00e4nke zu r\u00e4umen. Jedes St\u00fcck hat seinen Platz, sonst br\u00e4che das Chaos aus.<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>\u00abZum Gl\u00fcck gehen einem die Bergf\u00fchrer zur Hand, wir teilen die Arbeit und tauschen uns aus.<\/strong> Mit ein Grund, warum ich hierbleibe.\u00bb Der gem\u00fctliche Essraum hat einen L\u00e4rchenholzboden, den \u00adGenerationen von Leder- und Holzschuhen zum Gl\u00e4nzen gebracht haben. Unter dem Dach befindet sich der Schlafraum mit Kojen, die bei der kleinsten Bewegung knirschen. Aber wenn im Morgengrauen die schroffen Spitzen des \u00adDolent in sanftes Rot getaucht werden, sp\u00fcrt man, was f\u00fcr ein Privileg es ist, an einem zeitlosen Ort zu weilen.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2 class=\"para para_Art_Zwischentitel\">Vorzimmer der grossen Granitpfeiler<\/h2>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Auch hier wird es immer w\u00e4rmer!<\/strong> Unter den Gipfelh\u00e4ngen der Grande Lui ist das Eis grauem Schotter gewichen, auf dem man leichtf\u00fcssig und pr\u00e4zise auftreten muss und doch bei jedem Schritt zur\u00fcckzurutschen droht. Es sei denn, Schnee bedeckt zu Beginn der Saison noch die steinigen H\u00e4nge und die wenigen Gletscherspalten. Absteigen kann man dann in angenehm langen, rutschenden Schritten.<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\">Vom Gipfel der Grande Lui aus zeigen sich die hohen Granitpfeiler und die spitzen Grate desMont-Blanc und lassen einen die majest\u00e4tische Macht dieses Massivs erahnen. Hier jedoch ist die Umgebung noch sanft, etwas abgerundet, auch im Gegensatz zur schroffen Seite des Aiguille d\u2019Argenti\u00e8re und zu seinem Couloir Barbey, die technischere und \u00adschwierigere Aufstiege vermuten lassen. <strong>Genau darauf bereitet man sich vor, wenn man die Grande Lui besteigt\u2009\u2026<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1017 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/GdeLui_4-1-300x199.png\" alt=\"Mont Dolent copyrights Fran\u00e7ois Perraudin\" width=\"767\" height=\"509\" \/><\/p>\n<h2><strong>Praktische Infos<\/strong><\/h2>\n<div id=\"fjx145_infos\">\n<div class=\"user_fjx145_mode_single_infos\">\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>1. La Fouly (1592\u2009m) \u2013 Cabane de l\u2019A Neuve (2735\u2009m)<\/strong><\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\"><em>In K\u00fcrze<\/em>: T3, 3\u2009h\u200930, \u2197\u20091143\u2009m<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\"><em>Route<\/em>: Von La Fouly quert man erst die Drance de Ferret, dann den Campingplatz. Der Weg wird steiler, wenn man sich dem Wildbach von l\u2019A Neuve n\u00e4hert, der von steilen Felsen rechts abf\u00e4llt. Aber der Aufstieg ist mit \u00adsoliden Ketten ausger\u00fcstet, und den Wildbach kann man ohne Probleme bei einer Br\u00fccke \u00fcberqueren. Weiter geht es auf einem angenehmeren Weg, der zu Grash\u00e4ngen hinauff\u00fchrt, dann \u00fcber die Mor\u00e4ne bis zur H\u00fctte.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\"><em>Bemerkung<\/em>: Die mit Ketten ausgestattete Felspassage ist dem Umweg nach links vorzuziehen, der auf einem \u00adunangenehmen Mor\u00e4nenweg erfolgt.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>2. Cabane de l\u2019A Neuve (2735\u2009m) \u2013 Grande Lui (3509\u2009m)<\/strong><\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\"><em>In K\u00fcrze<\/em>: WS\u2013, 3\u2009h (Aufstieg), \u2197\u2009574\u2009m, \u2198\u20091617\u2009m<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\"><em>Route<\/em>: Abmarsch im Morgengrauen, um die Mor\u00e4ne auf dem Weg zum Tour Noir zu \u00fcberqueren. Linkerhand f\u00fchrt die Mor\u00e4ne in eine immer steiler werdende Schlucht. Um den Gletscher\u00fcbergang zu vermeiden, der unter einer br\u00fcchigen Felspartie (3457\u2009m) westlich des Saleina-\u00adPasses Steinschl\u00e4gen ausgesetzt ist, wurde ein Weg ausgespurt und mit gelben Dreiecken an den Felsen des rechten Gletscherufers markiert. Betreten Sie den Gletscher nicht bis auf ca. 3200\u2009m: Der friedliche Anblick t\u00e4uscht, unter dem Schnee verbirgt er t\u00fcckische Risse, bei denen es angebracht w\u00e4re, sich anzuseilen. Je nach Verlauf der Sommerschmelze kann der Gletscherschrund direkt oder diago\u00adnal nach rechts \u00fcberquert werden, um die letzten heiklen und br\u00f6ckelnden Felspassagen zum Gipfel zu \u00aderklimmen. Abstieg: gleiche Route wie beim Aufstieg.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Anfahrt<\/strong>: Im Zug bis Orsi\u00e8res via Martigny, dann mit dem Bus bis La Fouly.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Ausr\u00fcstung<\/strong>: Material f\u00fcr Gletscherwanderungen, Eisschrauben je nach Zustand des \u00adGletscherschrundes<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Beste Saison<\/strong>: Von Mitte Juni (Ger\u00f6llfeld vom Schnee bedeckt) bis Mitte September<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Karten<\/strong>: LK 1\u2009:\u200925\u2009000, Blatt 1345 Orsi\u00e8res; LK 1\u2009:\u200950\u2009000, Blatt 292 Courmayeur<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Bibliografie<\/strong>: Banzhaf, Fournier und Roduit, Mont \u00adDolent \/ Grand Combin \/ Pigne d\u2019Arolla. Vom Col de Balme zum Col Collon, SAC Verlag, Bern 2016<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Unterkunft<\/strong>: Cabane de l\u2019A Neuve, +41 27 783 24 24, info@aneuve.ch, <a href=\"http:\/\/www.aneuve.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.aneuve.ch<\/a>; Camping des Glaciers, +41 27 783 36 05, <a href=\"http:\/\/www.camping-glaciers.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.camping-glaciers.ch<\/a>; Auberge Maya-Joie, +41 27 780 11 66, <a href=\"http:\/\/www.mayajoie.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.mayajoie.ch<\/a>; Diverse Hotels beim Fremdenverkehrsamt von Pays du St-Bernard: <a href=\"http:\/\/www.lafouly.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.lafouly.ch<\/a><\/p>\n<p id=\"tw-target-text\" class=\"tw-data-text tw-ta tw-text-small\" dir=\"ltr\" style=\"text-align: center;\" data-placeholder=\"Translation\"><em><strong><span lang=\"de\">Finde die Originalversion des Artikels &#8222;Zeitlose Grande Lui&#8220; von <a href=\"http:\/\/www.frperraudin.ch\/fr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fran\u00e7ois Perraudin<\/a> in <a href=\"http:\/\/alpen.sac-cas.ch\/zeitschrift\/artikel-einzelanzeigen\/?user_fjx145_pi1%5Bmode%5D=single&amp;user_fjx145_pi1%5Bartid%5D=1000009089&amp;L=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Alpen<\/a> 6\/2018, Schweizer Alpen-Club (copyrights: Fran\u00e7ois Perraudin)<br \/>\n<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1021\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/lesAlpes062018.jpg\" alt=\"\" width=\"82\" height=\"113\" \/>                                                                        <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-722\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/schweizen-alpen-club-logo-300x130-300x130.png\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"101\" \/><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Aufstieg zur Grande Lui l\u00e4sst \u00adeinen fast die Zeit vergessen \u2013 wenn man \u00adeinen Zwischenstopp in der Cabane de l\u2019A Neuve einlegt. 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