{"id":7131,"date":"2024-05-09T12:02:00","date_gmt":"2024-05-09T12:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mountainow.net\/?p=7131"},"modified":"2024-05-28T08:44:07","modified_gmt":"2024-05-28T08:44:07","slug":"am-goettlichen-felsen-im-tal-des-teufels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mountainow.net\/de\/2024\/05\/am-goettlichen-felsen-im-tal-des-teufels\/","title":{"rendered":"Am g\u00f6ttlichen Felsen im Tal des Teufels"},"content":{"rendered":"<p class=\"para para_Art_Lead_DIN\"><strong>\u00dcber dem h\u00f6llischen Verkehr Richtung Gotthard ragt eine Ausnahmewand: die Teufelstalwand. Der Granitfelsen hat Wiederentdeckungspotenzial, allem voran die Route \u00ad<em class=\"char char_DIN_Regular_italic\">Zeichen der Freundschaft. <\/em><\/strong><strong><span class=\"user_fjx145_single_autor\">Von Claude R\u00e9my<br \/>\n<\/span><\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"fjx145_lauftext\">\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Bei so einer Wand weiss man sofort<\/strong>: Der Tag wird ein Fest. Jeder Zug fliesst so geschmeidig in den anderen \u00fcber, dass man sich fast nach oben gezogen f\u00fchlt. Doch dieses Kletterjuwel aus Granit, das nicht weit von Andermatt entfernt liegt, war bis vor Kurzem ein noch recht unbekannter Spot.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1201 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Diable_ClaudeRemy_p3-1-300x226.png\" alt=\"\" width=\"863\" height=\"650\" \/><\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Man muss aber auch sagen<\/strong>, dass die unmittelbare Umgebung der Wand recht sch\u00e4big daherkommt. Eingezw\u00e4ngt zwischen der bekannten Teufelsbr\u00fccke und dem schweren Strassen- und Schienenverkehr zum Gotthardpass ist es am Fusse der Wand laut und stinkend. Und der Zustieg ist weder einfach noch offensichtlich.<\/p>\n<h2 class=\"para para_Art_Zwischentitel\">Ein gut verstecktes Juwel<\/h2>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1199 alignleft\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Diable_ClaudeRemy_p1-1-215x300.png\" alt=\"\" width=\"307\" height=\"428\" \/><strong>Sind die anf\u00e4nglichen Unannehmlichkeiten einmal \u00fcberwunden<\/strong>, entdeckt man mit der Route <em class=\"char char_Esta_italic\">Zeichen der Freundschaft<\/em> ein perfektes St\u00fcck steilen Granits, das einen aussergew\u00f6hnlichen Aufstieg entlang von Rissen und geradlinigen Verschneidungen bietet. Eine der sch\u00f6nsten Klettereien in der Schweiz! Klettert man auf Reibung, knirscht der Fels manchmal unter den Sohlen, und schon fangen die Nerven an zu flattern \u2026 Werde ich gleich abrutschen? Aber nein, es h\u00e4lt gut! Dann greift man mit einer Hand entlang eines sauberen Risses nach oben, und guter Halt und ermutigendes Vorw\u00e4rtskommen sind garantiert.<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>\u00abStand!\u00bb, jubelt Jean-Mi,<\/strong> \u00abdiese Verschneidung ist unglaublich, sie ist sogar noch besser als die zwei ersten Seill\u00e4ngen.\u00bb Noch besser? Ist das m\u00f6glich? Aber nat\u00fcrlich, er hat recht. Der folgende Riss mit seinen Parallelkanten ragt traumhaft gerade in den Himmel. Beim Stand angekommen ist Fred, mein zweiter Seilpartner, derart euphorisch, dass er keine Sekunde z\u00f6gert: \u00abDas war zu sch\u00f6n, lasst mich runter, ich will noch mal!\u00bb<\/p>\n<h2 class=\"para para_Art_Zwischentitel\">Granit und Hardrock<\/h2>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Welche Ironie: Vor fast 40 Jahren<\/strong> riet mir der M\u00fcnchner \u00adAndreas Kubin, der die 1973 er\u00f6ffnete Route als Erster frei kletterte, von der Wand ab. Die Risse seien mit Erde gef\u00fcllt, und es habe zu viel Vegetation. Er meinte, bei der Menge Gras seien die Mitglieder der Seilschaft beinahe zu Wiederk\u00e4uern geworden. Viele Jahre sp\u00e4ter warf ich vom Klettersteig <em class=\"char char_Esta_italic\">Diavolo<\/em> aus wieder einen Blick auf die Route. Wieder entschied ich, dass es keinen Wert hatte, sie zu besteigen. Wie man sich doch t\u00e4uschen kann!<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Vielleicht sollte man an dieser Stelle darauf hinweisen<\/strong>, dass die Liebe zum Granit eine Voraussetzung f\u00fcr die Begehung dieser Route ist. Kubin hatte den Felsen mit Hardrock verglichen und zu Recht angemerkt: \u00abEntweder man verehrt ihn in hohem Grade oder hasst ihn abgrundtief.\u00bb Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, den Hardrock je zu hassen, ist es tats\u00e4chlich so, dass einige den Granit verabscheuen, weil er angeblich zu monoton zum Klettern ist. So kann es vorkommen, dass man sich beim Plattenklettern auf allen vieren wiederfindet, sogar wenn die F\u00fcsse perfekt platziert werden. Gewisse Neigungsgrade erfordern eine m\u00fchselige, wenn nicht sogar schmerzhafte, k\u00f6rperliche Anstrengung.<\/p>\n<h2 class=\"para para_Art_Zwischentitel\">Am Ende der H\u00f6hepunkt<\/h2>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Aber kommen wir zur\u00fcck zum <\/strong><em class=\"char char_Esta_italic\"><strong>Zeichen der Freundschaft<\/strong>,<\/em> wo wir uns gerade einen Kamin hochstemmen. Diese Technik ist nicht mehr sehr verbreitet, aber sie macht die Kletterei abwechslungsreich und bereitet Spass. In einem breiten Riss holen wir gar die alte K\u00f6rperkeiltechnik wieder hervor. Jegliche Bewegungseleganz weicht jetzt reptilartigem Hochschieben, das von Grunz- und Schabger\u00e4uschen begleitet wird.<\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Manchmal wird es wegen des eingeklemmten Rucksacks<\/strong> sogar ein wenig anstrengend. Aber all das reichert nur unsere Erinnerungen an. Beim Stand entscheidet sich der immer noch begeisterte Fred f\u00fcr eine \u00abCake-Guetzli-Schokoladen-Pause\u00bb, anstatt die zwei Seill\u00e4ngen zu wiederholen. \u00abSchade\u00bb, denken sich zwei Gefr\u00e4ssige (Jean-Mi und ich), \u00abjetzt m\u00fcssen wir unsere S\u00fcssigkeiten teilen.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1200 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Diable_ClaudeRemy_p2.jpg-1-300x198.png\" alt=\"\" width=\"826\" height=\"545\" \/><\/p>\n<p class=\"para para_Art_Grundtext_block\"><strong>Dieser kurze Halt ist strategisch wichtig<\/strong>, denn die Verschneidung in der letzten Seill\u00e4nge hat zwar eine perfekte Linie, bietet aber wenig Tritte f\u00fcr die F\u00fcsse. Und am Ende wartet eine Ausbuchtung, die die absolute Schl\u00fcsselstelle der Route \u00adbildet. Noch ein letzter beherzter Zug, und dann sind wir auf dem Gipfel. Voller Lob \u00fcber die gelungene Route \u00adhaben sich hier eine Menge Kletterer im Gipfelbuch verewigt. Auch \u00adunsere Augen leuchten, und das Grinsen reicht von einem Ohr zum anderen. Das Wetter ist fantastisch. Heiss. Und das \u00adh\u00f6llische Tosen des Teufels ist l\u00e4ngst verstummt. <strong>Hat jemand gerade Paradies gesagt?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"fjx145_infos\">\n<h2>Praktische Infos<\/h2>\n<div class=\"user_fjx145_mode_single_infos\">\n<p class=\"para para_Info_Text\">Die Teufelstalwand ist mit steilen Verschneidungen, Rissen und Pfeilern durchzogen. Auf mancher Leiste wuchert die Vegetation, aber die Routen sind aus\u00adser\u00adgew\u00f6hnlich und homogen.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Routen in der Teufelstalwand<\/strong><\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\"><em class=\"char char_DIN_medium_italic\">In K\u00fcrze:<\/em> Acht Routen von 6b+ bis 7c, 250\u2009m, Routeneinstieg bei 1650\u2009m, Exposition S\u00fcd<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\">Routen: <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Florina,<\/em> 7c (7a+ obl.); <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Laura,<\/em> 7a (6c); <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Eternal Crack,<\/em> 7a (6b obl.); <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Alpentraum,<\/em> 7a (6c obl.); eine Route ohne Namen und Infos; <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Wilde 13,<\/em> 7b (6c); <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Zeichen der Freundschaft,<\/em> 6b+ (6a+ obl.); <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Pissoir du Diable,<\/em> 6b+ (6a+ obl.). \u00adGemeinsamer Einstieg und Ausstieg f\u00fcr <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Florina<\/em> und <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Laura,<\/em> die zum gr\u00f6ssten Teil selbst abzusichern sind. <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Eternal Crack<\/em> muss ebenfalls selbst abgesichert \u00adwerden, die anderen vier Routen sind sehr gut mit \u00adM10-Bohr\u00adhaken gesichert.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Zeichen der Freundschaft<\/strong><\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\"><em class=\"char char_DIN_medium_italic\">In K\u00fcrze:<\/em> 6b+ (6a+ obl.), 10 SL, sehr gut mit M10-Bohrhaken eingerichtet<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\">Route: F\u00fcr Granit ist es eine sehr varian\u00adtenreiche und ungew\u00f6hnliche Kletterei. Gr\u00f6sstenteils athletisch anspruchsvoll f\u00fchrt sie durchgehend entlang von grossartigen Rissen und Verschneidungen. Die 6b von SL4 und SL5 ist anhaltend, man sollte jedoch seine Kr\u00e4fte f\u00fcr die Schl\u00fcsselstelle in der letzten Seill\u00e4nge sparen.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Text\">Bemerkung: Im September 2010 haben Claude L\u00e9vy, Christoph Linder, Patrick Muhmenthaler und Roger W\u00fcrsch die Route mit einer eindrucksvollen S\u00e4uberungs- und Einrichtungsaktion aufgewertet. Es geschah zu Ehren von Heinz Leuzinger (1940\u20132007), der die Route zusammen mit Carlo Cadenazzi am 5. Juni 1973 erstbegangen hatte.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Anfahrt: <\/strong>Mit dem Zug bis N\u00e4tschen via Brig, \u00addanach zu Fuss oder mit dem Taxi. Die Strasse N\u00e4tschen\u2013Windr\u00e4der ist be\u00adwilligungspflichtig (Kontakt: Korpora\u00adtion Ursern, Rathaus, 6490 Andermatt, 041 887 15 39, info@korporation-\u00adursern.ch). Der \u00adStrasse bis T\u00fcfelstalboden (ca. 2015\u2009m, Parkplatz) folgen (direkt vor der 3. Spitzkehre). Den Weg via Klettersteig ab\u00adsteigen, vorbei an der Fahne und \u00fcber die Ausstiegsleiter des Steiges gehen. Danach rechts in \u00adeinen Pfad einbiegen, 30\u2009m gehen (25\u2009min vom Parkplatz, 1\u2009h vom N\u00e4tschen). Von da dreimal abseilen (rot markiert 45\u2009m\/40\u2009m\/35\u2009m), dann den Bach \u00fcberqueren, um zum Routen\u00adeinstieg zu kommen (Fixseile).<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Beste Saison: <\/strong>Vom Fr\u00fchling bis Ende Herbst, aber nicht direkt nach einem Regenfall. Achtung beim Bach, je nach Wasserstand ist die \u00dcberquerung sogar unm\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Hinweis: <\/strong>Vom 1.12. bis zum 30.4. ist die ganze Zone s\u00fcdlich vom Bach Ruhezone und darf nicht begangen werden.<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Karten: <\/strong>LK 1\u2009:\u200925\u2009000, Blatt 1231 Urseren; LK 1\u2009:\u200950\u2009000, Blatt 255 Sustenpass<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>F\u00fchrer: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.exlibris.ch\/de\/buecher-buch\/deutschsprachige-buecher\/claude-remy\/dreams-of-switzerland\/id\/9783859023994\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">C. und Y. Remy, <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Dreams of Switzerland, <\/em>SAC Verlag, 2016<\/a>; T. Fullin und A. Banholzer,<em class=\"char char_DIN_medium_italic\"> Uri Excellence, <\/em>SAC Verlag, 2015; S. von K\u00e4nel, <em class=\"char char_DIN_medium_italic\">Extrem Ost,<\/em> Filidor, 2013<\/p>\n<p class=\"para para_Info_Untertitel\"><strong>Unterkunft:<\/strong> Andermatt: Gotthard Camping, 079 226 30 76, mail@gotthard-camping.ch, <a href=\"http:\/\/www.gotthard-camping.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.gotthard-camping.ch<\/a>, ge\u00f6ffnet ca. vom 15. Mai bis zum 15. Oktober, ausgebucht vom 22. bis zum 26. August 2018; Hospental: Sust Lodge, 041 887 05 02, info@sust.ch, <a href=\"http:\/\/www.sust.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.sust.ch<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong><span lang=\"de\">Finde die Originalversion des Artikels \u201eAm g\u00f6ttlichen Felsen im Tal des Teufels\u201c von Claude Remy in <a href=\"https:\/\/www.sac-cas.ch\/de\/die-alpen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Alpen<\/a> 7\/2018, Schweizer Alpen-Club (copyrights: Claude Remy)<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber dem h\u00f6llischen Verkehr Richtung Gotthard ragt eine Ausnahmewand: die Teufelstalwand. Der Granitfelsen hat Wiederentdeckungspotenzial, allem voran die Route \u00adZeichen der Freundschaft. 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