{"id":7125,"date":"2021-06-03T11:51:40","date_gmt":"2021-06-03T11:51:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mountainow.net\/?p=7125"},"modified":"2022-05-09T11:52:41","modified_gmt":"2022-05-09T11:52:41","slug":"keine-erholung-fuer-gletscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mountainow.net\/de\/2021\/06\/keine-erholung-fuer-gletscher\/","title":{"rendered":"Keine Erholung f\u00fcr Gletscher"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"m-introduction__headline fs-h2\"><span class=\"m-introduction__subline fs-h2-subline\">Kryosph\u00e4renbericht f\u00fcr die Schweizer Alpen<\/span><\/h1>\n<p><strong>In tiefen Lagen gab es im Winter 2019\/20 aufgrund der W\u00e4rme so wenig Schnee wie noch nie. Der Eisvolumenverlust der Schweizer Gletscher setzte sich im Sommer 2020 fort, und im Permafrost wurden neue H\u00f6chsttemperaturen gemessen. Der Einfluss des Klimawandels auf die Kryosph\u00e4re zeigt sich deutlich.<\/strong><\/p>\n<div><i> Von <em><span lang=\"de\"><span class=\"gmail-c-label-with-icon\"><span class=\"gmail-c-label-with-icon__label gmail-fs-copy-note\">Matthias Huss, Christoph Marty, Andreas Bauder und Jeannette N\u00f6tzli<\/span><\/span><\/span><\/em> (angepasst von<span lang=\"de\"> <a href=\"https:\/\/www.sac-cas.ch\/de\/die-alpen\/keine-erholung-fuer-gletscher-33272\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Die Alpen&#8220;<\/a><\/span>  Artikel)<\/i><\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div class=\"m-introduction__copy c-rich-text\">\n<h2 id=\"c59684\" class=\"m-headline m-headline--h3 fs-h3\">Gletscher<\/h2>\n<h3 id=\"c59685\" class=\"m-headline m-headline--h3 fs-h3\">Wiederum 2% des Gletschervolumens verloren<\/h3>\n<div class=\"m-rich-text\">\n<div class=\"c-rich-text\">\n<p>Zwischen Herbst 2019 und Herbst 2020 setzte sich der Verlust der Gletscher unerbittlich fort, war aber verglichen mit den drei vorangegangenen Messperioden 2016\/17, 2017\/18 und 2018\/19 etwas weniger dramatisch. Nachdem Anfang Mai durchschnittliche Schneemengen in der H\u00f6henlage der Gletscher gemessen worden waren, war die Schmelze im Sommer einmal mehr betr\u00e4chtlich. \u00dcber das gesamte Jahr zeigten tief liegende, flache Gletscher (z.\u2009B. der Glacier de Tsanfleuron\/VS; siehe Foto unten) eine mittlere Reduktion der Eisdicke von zwei Metern.<\/p>\n<p>Die Gletscher im s\u00fcdlichen Wallis sowie im Tessin und im Engadin (z.\u2009B. der Findelgletscher oder der Ghiacciaio del Bas\u00f2dino) verloren nur rund einen halben Meter an Dicke, was auf die grossen Schneemengen im Fr\u00fchwinter sowie den positiven Effekt der Sommerschneef\u00e4lle zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Schneemenge auf dem Silvrettagletscher\/GR lag fast w\u00e4hrend des ganzen Jahres ungef\u00e4hr im Mittel des letzten Jahrzehnts. Dies zeigt, dass 2019\/20 in Bezug auf die aktuelle Situation kein Extremjahr war \u2013 trotz massiven Verlusten von schweizweit rund 2% des verbleibenden Gletschervolumens.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2900 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/tsanfleuron_20181010_01_mh-1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"524\" \/><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 id=\"c59686\" class=\"m-headline m-headline--h3 fs-h3\">Alle Gletscherzungen gehen zur\u00fcck<\/h3>\n<div class=\"m-rich-text\">\n<div class=\"c-rich-text\">\n<p>Der R\u00fcckgang der Gletscherzungen widerspiegelt die Witterung \u00fcber einen mehrj\u00e4hrigen Zeitraum und nicht die Bedingungen eines Einzeljahres. Die klimatischen Verh\u00e4ltnisse wirken sich je nach Gletschergr\u00f6sse mit unterschiedlicher Verz\u00f6gerung auf die Position der Zunge aus. Dass die Messungen im Herbst wiederum bei nahezu allen Gletschern eine weitere Einbusse an L\u00e4nge ergeben haben, vermag deshalb kaum zu erstaunen. Abgesehen von zwei Ausnahmen wiesen die Gletscher einen Schwund von wenigen bis zu 25 Metern auf. Massive R\u00fcckg\u00e4nge von mehr als 50 Metern wurden am Kanderfirn\/BE und am Sankt Annafirn\/UR beobachtet. Bei beiden hatte sich die Zunge \u00fcber die letzten Jahre zunehmend ausged\u00fcnnt und ist nun regelrecht zerfallen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h2 id=\"c59687\" class=\"m-headline m-headline--h3 fs-h3\">Permafrost<\/h2>\n<h3 id=\"c59688\" class=\"m-headline m-headline--h3 fs-h3\">Elf Meter Auftauschicht am Schilthorn<\/h3>\n<div class=\"m-rich-text\">\n<div class=\"c-rich-text\">\n<p>Zum 20-Jahr-Jubil\u00e4um des Schweizer Permafrostmessnetzes Permos haben alle Permafrostmessgr\u00f6ssen die Rekordwerte aus dem Jahr 2015 erreicht oder \u00fcbertroffen. Durch das fr\u00fche Einschneien im Herbst 2019 wurde viel W\u00e4rme im Permafrost gespeichert. Die Oberfl\u00e4chentemperaturen waren somit besonders im Winter \u00fcberdurchschnittlich, w\u00e4hrend die Jahresmittel im Bereich der extrem warmen Jahre 2003, 2015 und 2018 lagen. Infolge der hohen Temperaturen an der Oberfl\u00e4che stieg die M\u00e4chtigkeit der Auftauschicht \u2013 der obersten Meter \u00fcber dem Permafrost, die im Sommer jeweils auftauen.<\/p>\n<p>\u00dcberall wurden die bisherigen Rekordwerte erreicht oder \u00fcbertroffen, von 2,8 Metern am Fl\u00fcela\/GR bis zu 11 Metern am Schilthorn\/BE. Letzteres ist die m\u00e4chtigste je gemessene Auftauschicht im Schweizer Permafrost. Seit Beginn der Messungen 1998 hat sich die M\u00e4chtigkeit an diesem Standort mehr als verdoppelt. Schweizweit reicht der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von wenigen Zentimetern bis zu einem halben Meter.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2898 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/detachement_Kerner_PERMOS-1-300x219.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"510\" \/><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3 id=\"c59689\" class=\"m-headline m-headline--h3 fs-h3\">Ende der kurzen Erholung<\/h3>\n<div class=\"m-rich-text\">\n<div class=\"c-rich-text\">\n<p>Die kurze Erw\u00e4rmungspause nach dem schneearmen Winter 2017 ist definitiv vorbei. Auch die Permafrosttemperaturen in gr\u00f6sseren Tiefen sind wieder \u00e4hnlich oder sogar h\u00f6her als im bisherigen Rekordjahr 2015. Der Permafrost reagiert mit grosser zeitlicher Verz\u00f6gerung auf die Ver\u00e4nderungen an der Oberfl\u00e4che, und die warmen Bedingungen der letzten Jahre sind noch nicht vollst\u00e4ndig in der Tiefe angekommen. Die Kriechgeschwindigkeiten der Blockgletscher folgen im Allgemeinen der Entwicklung der Permafrosttemperaturen. Sie haben im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt wiederum um gut 20% zugenommen, wobei die bisherigen Rekordwerte aus dem Jahr 2015 teilweise \u00fcbertroffen wurden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"c59806\" class=\"m-image-text m-image-text--image-right \">\n<div class=\"m-image-text__text-wrapper\">\n<div id=\"c59806\" class=\"m-introduction\" data-init=\"Introduction\">\n<h3 class=\"m-introduction__headline fs-h2\">Eisdicke wird mit neuem Radarsystem ermittelt<\/h3>\n<div class=\"m-introduction__copy c-rich-text\">\n<p>Die Informationen zur aktuellen Gletscherausdehnung und zur Eisdicke sind nicht nur interessant f\u00fcr Alpinisten, sondern auch relevant f\u00fcr die Prognosen \u00fcber den k\u00fcnftigen Gletscherr\u00fcckgang und -abfluss sowie f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung gletscherbedingter Naturgefahren. In enger Zusammenarbeit mit swisstopo hat das Schweizer Gletschermessnetz Glamos deshalb ein neues Inventar erstellt, das die vergletscherten Fl\u00e4chen detailliert erfasst. Im Jahr 2016 waren demnach 961 Quadratkilometer oder 2,3% der Landesfl\u00e4che von Gletschereis bedeckt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"m-image-text__buttons\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2901 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.mountainow-blog.net\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/SAC-mag-June-2021_Cryosphere-Report-300x203.png\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"473\" \/><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"c59807\" class=\"m-rich-text\">\n<div class=\"c-rich-text\">\n<p>Zus\u00e4tzlich zum Inventar wurde in einem mehrj\u00e4hrigen Projekt an der ETH Z\u00fcrich ein neuartiges helikoptergest\u00fctztes Radarsystem entwickelt, um die Eisdicke aller gr\u00f6sseren Gletscher zu messen. Insgesamt sind nun Eisdickenmessungen entlang von mehr als 2000 Kilometern Profildistanz verf\u00fcgbar, was eine fl\u00e4chendeckende Bestimmung des Eisvolumens erlaubt. Das Volumen aller Schweizer Gletscher f\u00fcr das Bezugsjahr 2016 wird auf 58,7\u2009\u00b1\u20092,5 Kubikkilometer gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Verteilt \u00fcber die Fl\u00e4che der ganzen Schweiz, entspricht dies einer Wasserschicht von 1,3 Metern H\u00f6he. Analog zur Gletscherausdehnung breitet sich das Eisvolumen haupts\u00e4chlich in den Berner und Walliser Alpen aus, aber auch in der Zentral- und der Ostschweiz finden sich betr\u00e4chtliche Volumina. Auf den Grossen Aletschgletscher \u2013 den mit knapp 80 Quadratkilometern gr\u00f6ssten Alpengletscher \u2013 entfallen 11,7 Kubikkilometer Eis. Somit speichert er allein rund 20% des Schweizer Gletschereises.<\/p>\n<p>Indem diese Ergebnisse mit den j\u00e4hrlichen Messdaten kombiniert werden, l\u00e4sst sich bestimmen, welcher Anteil des vorhandenen Eises verloren gegangen ist. Die Zahlen sind eindr\u00fccklich: Seit 2000 haben die Schweizer Gletscher knapp einen Drittel der verbliebenen Eismasse eingeb\u00fcsst, und in einem Extremjahr k\u00f6nnen es \u00fcber 3% sein.<\/p>\n<p>Gletscherausdehnung und -m\u00e4chtigkeit k\u00f6nnen nun direkt auf der Kartenplattform des Bundes map.geo.admin.ch betrachtet werden. Hier lassen sich die wichtigsten Kenngr\u00f6ssen wie Fl\u00e4che, Volumen oder die maximale und die mittlere Eisdicke f\u00fcr den jeweiligen Gletscher einblenden.<\/p>\n<h3 class=\"m-sidebar-text-box__headline fs-h3-sidebar\">Zum Weiterlesen<\/h3>\n<div class=\"m-sidebar-text-box__copy fs-copy c-rich-text\">\n<p>\u2192 <a href=\"http:\/\/www.kryosph\u00e4re.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.kryosph\u00e4re.ch<\/a><\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"http:\/\/www.slf.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.slf.ch<\/a><\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"http:\/\/www.meteoschweiz.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.meteoschweiz.ch<\/a><\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"http:\/\/www.glamos.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.glamos.ch<\/a><\/p>\n<p>\u2192 <a href=\"http:\/\/www.permos.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.permos.ch<\/a><\/p>\n<p><i><em><span lang=\"de\">Text\/Foto copyright: <span class=\"gmail-c-label-with-icon\"><span class=\"gmail-c-label-with-icon__label gmail-fs-copy-note\">Matthias Huss, Christoph Marty, Andreas Bauder und Jeannette N\u00f6tzli<\/span><\/span><\/span><span lang=\"de\">, Die Alpen 6\/2021, Schweizer-Alpen Club<\/span><\/em><\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kryosph\u00e4renbericht f\u00fcr die Schweizer Alpen In tiefen Lagen gab es im Winter 2019\/20 aufgrund der W\u00e4rme so wenig Schnee wie noch nie. 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